Lange habe ich mich im Internet schlau gemacht, Berichte gelesen, sogar Mails ausgetauscht. Generell wird davor gewarnt – und angeblich ist es verboten (konnte ich aber nirgends lesen). Früh um 4:45 piept der Wecker, am Abend vorher haben wir bereits alles gepackt. Für jeden genug Essen und ca. 4 Liter zu Trinken. Sportgel, Hikers-Trockenfutter…wir sind gerüstet. Rein in den Hikerbus um 5:15. Wir treffen noch ein Pärchen, die die gleiche Wanderung schon mal gemacht haben und uns in unserem Vorhaben bestärken… angeblich würden wir den Eindruck machen, dass wir das auf jeden Fall schaffen… ahaaa….Der Bus hält am South-Kaibab-Trail Point – Außentemperatur ca. 5 Grad. Mit Stirnlampe und Taschenlampe bewaffnet, tasten wir uns die ersten Stufen und Meter nach unten. Irgendwie unheimlich finde ich, als ob man in einen dunklen riesigen Rachen absteigt. Schon eine Stunde später ist es hell und wir haben bereits ca. 500 Höhenmeter nach unten hinter uns.

Unser Ziel ist der Colorado River am Buttom des Grand Canyon. Auf 1500 Höhenmetern steigt man durch 5 Klimazonen ab und die Temperatur steigt mit der Sonne. In der Mitte hat es fast 40 Grad – ganz unten noch über 30 Grad. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, doch ich fand diese Wanderung noch viel beeindruckender als das Helifliegen. Je weiter man absteigt, desto kleiner kommt man sich vor – und desto größer erscheint der Canyon. Es ist ganz wenig los und wir sehen nur vereinzelte Wanderer.

Nach 3,5 Stunden Stufen abwärts, stehen wir am Colerado River – von wegen Bächlein – über einen ca. 80m breiten reißender Strom führen 2 Brücken. Wir gönnen uns im Schatten eine ausgedehnte Pause und stärken uns erst mal, bevor wir den langen Anstieg über den Bright Angel Trail nach oben antreten.

Insgesamt 6 Stunden steigen wir wieder durch diese gigantische Schlucht empor. Wenn man nach 2/3 Stunden nach oben blickt, kann man gar nicht glauben, dass man dort heute wirklich noch ankommen will… an den Farben der Gesteinsschichten erkennt man ungefähr, auf welcher Ebene man sich gerade befindet. Im oberen Drittel sind am Nachmittag dann leider viele Muli-Trupps unterwegs und auch jede Menge Wanderer, die teilweise ganz schöne Probleme haben wieder nach oben zu kommen. Die meisten gehen 2 Stunden runter, bis zum Indian Garden, einer Art Oase auf der ersten Ebene – unterschätzen jedoch, dass sie 4 Stunden steil wieder hoch müssen.
Nach 9,5 Stunden strammer Wanderung sind wir wieder oben – ich lass eine Französin ein Finisher Foto von uns machen und wir blicken noch mal mit uns und der Welt zufrieden nach unten, bevor wir uns am Campground eine Dusche für 2 Dollar gönnen.
Fazit – Grand Canyon in einem Tag ist zu schaffen – aber nur mit ausgezeichneter Kondition und genügend Proviant, genügend Pausen und Erfahrung in Sachen Einteilung von Kraft und Kondition. Auf der Strecke wurde mir klar, dass es zur Katastrophe führen kann, wenn man sich hier Blasen läuft, umknickt oder nicht genug zu essen dabei hat !!! Man kriegt da übrigens richtig Ärger wenn man gerettet werden muss – und muss mächtig blechen. Sinnvoll ist es, unten in der Phantom Ranch einen Schlafplatz zu buchen , oder am Colorado River einen Campingplatz zu ergattern. Allerdings sind diese beiden Möglichkeiten ein Jahr im Vorraus ausgebucht.