Berlin 10:40
Ich friere so vor mich hin – Shirt – kurze Hose – lange Strümpfe ( die Kompressionsdinger sehen wirklich fürchterlich aus – aber es kennt mich hier ja kein Aas.) Ein Berliner im dicken Jogginganzug erklärt mir, dass hier beim Halb-Marathon ne persönliche Bestzeit eigentlich unmöglich ist wegen dem Gedränge. Er sollte fast recht behalten mit dem Gedränge - seine Klamotten waren allerdings die falsche Wahl, es wurde nämlich richtig warm !
Berlin 10:45 Start
Es bewegt sich was …. Nach 7 Minuten drücke ich 1m vor der Startmatte auf meine Stopuhr und trabe los. Menno was für ein Gedränge – vor dir geht nix – neben dir wird gschubst – von hinten Ellbogen – und schon schneidet wieder jemand deinen Weg. Na super denke ich mir, dass kann ja noch heiter werden. Jetzt bin ich schon mal hier – also mitgemacht – langsam krieg ich ein Laufgefühl und wühle mich durch die Menge. Neben mir läuft eine junge Frau und fragt, was ich denn für ne Zeit angepeilt habe – ich sage knapp unter 2 Stunden wären super und sie meint, das wäre auch ihre Zeit und wir liegen gut. Anscheinend will sie sich ranhängen. Die gute hat aber so ein seltsames Schrittintervall und nen platten „Klatschschritt“, dass ich mich gezwungen sehe sie in dem Gedrängel irgendwie abzuschütteln, denn das bringt mich total aus dem Gleichschritt. Ihr Tap..tap…tap… passt einfach nicht zu meinem.
Ich kann einfach kein Kilometerschild erkennen. Gott sei dank sagt grad einer hinter mir – da vorne bei Charlottenburg müsste es km6 sein. Schön..aber wo verdammt noch mal war bei km5 die Getränke ??? Es ist ganz schön warm – und irgendwo bei km6 schnappe ich das erste Wasser.
Berlin 11:49
Nach 57 Minuten bin ich bei km10. Super – so schnell bin ich noch nie gelaufen. Allerdings hab ich grade das Gefühl, dass ich das Tempo auf keinen Fall halten kann. Egal, guggn wir mal was geht. Das nächste Schild nehme ich bei km14 wahr – mein Kopf schaffts aber nicht das hoch zu rechnen, ob ich noch in der Zeit liege…
Am Strassenrand sagt grad ne Mutti zu Ihrem Zwerg…“ Du musst schön die Hand raushalten, dann kommen die rangelaufen“… kein Wunder dass ich mich wie in einer gehetzten Schafherde fühle. Vor lauter Menschen sehe ich wieder mal nix – hätte bei km14 nicht die Gedächtniskirche sein sollen ?? – Verpasst – ach ja – da vorne, Potzdammer Platz – wohl das einzige was ich bei diesem Lauf wahr nehme…. Und die Frau, die irgendwie an jeder Ecke mit ner grauenhaften lauten rosa Mördertröte steht. (Tatsächlich haben die die anderen Läufer auch alle gesehen )
Berlin irgendwo bei km15
Noch mal Wasser und ein Gel – schaden tuts ja nix. Ich schau auf die Uhr und denke, dass ich eigentlich noch mal ein bisschen Tempo geben sollte – das wird knapp. Aber da geht nix mehr – ich lauf ehe schon die ganze Zeit so schnell ich kann. Fast renne ich ne Frau übern Haufen, die total langsam vor mir hertrottet - verdammt wo kommt die mit ihrem Schneckentempo denn jetzt her ? Warum ist die vor mir ? ...und überhaupt geht mir halt mal ausm Weg, das gibts doch gar nicht.... an manchen Stellen wir die Strasse so eng, dass es einen regelrechten Stau gibt. Ich bin überzeugt, das killt meine angebeilte Zeit.
Berlin km 19
Ich überlege, wie lange ich wohl spurten kann – na ja, vielleicht einen Kilometer lang. Also schön Tempo halten .. ich hab noch 12 Minuten für 2,1 km – Wasser gibt’s auch noch mal – mir ist irgendwie übel. Verdammt, dass wird wieder ne 2:01 ..garantiert. Kann ich auch so weitertraben. Das blöde 20-ger Schild seh ich auch nicht. Da kommt ne Kurve – ich sehe das Zieltor – schaue auf die Uhr 1:58..( die Sekunden kann ich nicht erkennen) – jetzt aber Vollsprint bis ins Ziel. Zwei Schritte später Blick auf die eigene Uhr : 02:00:02 - . Gefühlt müsste es eigentlich ums „Abzwicken“ gereicht haben.
Wieder zu Hause
Gleich der Blick in die Ergebnisliste 3 Sekunden unter 2 Stunden … das nennt man eine Punktlandung !
Montag, 6. April 2009
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